Robin Hood in Hamburg

 
Robin Hood im Altonaer Theater
Rezension - Robin Hood in Hamburg
Geschrieben von: Cornelia Niehus Weblink: http://www.altonaertheater.de/

Im stolzen Besitz zweier Karten für die Vorpremiere am 6.8.2010 sind wir bereit, uns eine weitere Version der Legende um Robin Hood zu Gemüte zu führen. Bereits die Ankunft im Theater stimmt auf das Stück ein, draußen vor der Eingangstür sind Fackeln aufgestellt und Sitzkissen auf den steinernen Bänken sorgen für Bequemlichkeit. Im Gebäude selber bilden "stecken gebliebene" Pfeile in den Wänden und an Plakathaltern, sorgsam dekorierte Schatzkästchen und Steckbriefe des berüchtigten Robin Hood das passende Ambiente.

Der moderne, aber gemütliche Theatersaal füllt sich rasch und gespannt erwarten wir den Beginn der Vorstellung. Die überraschend kleine Bühne ist mit holzschnittartigen Szenenaufbauten von Bühnenbildnerin Sonja Zander geschickt dekoriert, mit nur wenigen Handgriffen lassen sich verschiedene Spielorte im Wald und auf der Burg darstellen. Dann geht es los.

Mit witzigen Dialogen und ausdrucksreicher Mimik ziehen uns die mit Begeisterung spielenden Darsteller in die Geschichte um Robin Hood und seine Getreuen.
Robin Hood kehrt mit einer Lösegeldforderung für König Löwenherz von den Kreuzzügen zurück, wird aber gefangen genommen und nach geglückter Flucht für vogelfrei erklärt. Es folgt der bekannte Kampf zwischen Arm und Reich, für Volk und König und seine verehrte Lady Marian.
Im Stile alter Geschichten-Erzähler-Kunst führt uns der Spielmann aus Little Johns Bande mit Versen und verschmitzten Sprüchen durch das Stück.

 

Der Bruder des Königs, Prinz John, wird überzeugend unsympathisch von Ludger Haninger gespielt, mit schmieriger Stirnlocke und hochnäsigem Gehabe entlockt er den Zuschauern spontane Buh-Rufe. Sein Handlanger, der Sheriff von Nottingham (Matthias Pantel) ruft mit seiner Skrupellosigkeit gegenüber den Bauern und seiner Lüsternheit gegenüber der schönen Lady Marian angemessene Empörung hervor, gelegentlich auch Belustigung, wenn er gegenüber seinem Herren in Gestammel und erheiternde Gesichtszuckungen verfällt. Als nicht nur schöne, sondern auch mutige Lady Marian streitet, liebt und leidet Alexandra Lowygina für ihren Helden Robin von Locksley. Dieser wird mit charmanter Überheblichkeit von Martin Brücker dargestellt, welcher besonders in dem Kampfchoreografien glänzt und ohne Rücksicht auf Verluste über die Bühne hechtet.

Überhaupt sind sämtliche Kampfszenen äußerst beeindruckend und brauchen den Vergleich mit den Darstellungen langjährig geübter Schaukämpfer auf mittelalterlichen Veranstaltungen nicht scheuen. Ich rechnete teils tatsächlich damit, dass in Kämpfen mit 8 und mehr Leuten auf der Bühne mal einer von dieser hinabstürzen würde, was aber natürlich nicht geschah.
Unterstützt wird Robin Hood von seinen Getreuen Little John, welcher mit Peter Theiss die passende Besetzung gefunden hat (Beeindruckend, wenn er, seinen Kampfstecken lässig über den Schultern drapiert, sich zu voller Körpergröße aufrichtet.), Bruder Tuck, rauflustig und trinkfest dargestellt von Torsten M. Krogh, sowie verschiedenen anderen, ganz eigenen Charakteren.

Mir persönlich am besten gefallen hat allerdings die Figur der Charlotte, zunächst die Hofdame Lady Marians, dann unerschrockene Kämpferin an der Seite Robin Hoods. Mit frechem Charme und tänzerischer Kampfchoreographie spielt Lena Kußmann die aus meiner Sicht facettenreichste Rolle dieser Ausarbeitung des legendären Heldenstücks. Ein Hofknicks kann tatsächlich aufmüpfig sein, köstlich!

Alles in Allem eine sehr gelungene, unterhaltende und anregende Aufführung von Darstellern, die mit Begeisterung bei der Sache waren und uns einen unvergesslichen Abend beschert haben.

Unbedingt empfehlenswert!

 

08. August 2010

Robin Hood
Premiere 7. August 2010
Textfassung von Axel Schneider

Regie/Kampfchoreographie Malcolm Ranson • Bühne Sonja Zander • Kostüme Volker Deutschmann

Mit Rolf Bach • Bruno Bachem • Ole Bielfeldt • Martin Brücker • Ludger Haninger • Lena Kußmann • Alexandra Lowygina • Frank Meyer-Brockmann • Matthias Pantel • Daniel Sonnleithner • Rainer Wolke • Guido Zimmermann

Komödiantisches und actionreiches Mantel- und Degen-Abenteuer für die ganze Familie! ´im Altonaer Theater - Hamburg

Es gibt zahlreiche Versionen der berühmten Geschichte um Robin Hood, die auf einen mittelalterlichen Balladenzyklus zurückgeht.

In der Inszenierung des Altonaer Theaters begleitet Robin Hood den englischen König Richard Löwenherz auf seinem Kreuzzug ins gelobte Land Ende des 12. Jahrhunderts. Dabei gerät Richard in Gefangenschaft und kann nur durch ein hohes Lösegeld befreit werden. Robin Hood kehrt nach England zurück, um das Lösegeld von Prinz John, dem Bruder König Richards, zu fordern. Doch der heimtückische Prinz und der mit ihm verbündete Sheriff von Nottingham haben andere Pläne. Robin Hood wird geächtet und muss in den Sherwood Forest fliehen, wo er sich der Bande der Vogelfreien um Little John anschließt. Trotz zahlreicher Handgemenge und wilder Fechtszenen schafft es Robin Hood mit einer entzückenden Jungfer anzubändeln. Die schöne Lady Marian, die vom Sheriff zur Hochzeit gezwungen werden soll, verliebt sich in Robin und so erlebt Robin Hood neben seinen waghalsigen Scharmützeln auch noch prickelnde amouröse Abenteuer.

Ein rasanter Abend voll mit männlichem Heldenmut, actionreichen Kampfszenen, echter Freundschaft und einer hinreißenden Liebesgeschichte.

Regisseur Malcolm Ranson ist weltweit einer der gefragtesten Fechtdesigner und Kampfchoreographen. Er arbeitete u.a. mit Joan Collins, Anthony Hopkins, Jude Law und Bruno Ganz zusammen.

Folgen wir ihm nun in eines der größten Mantel-und-Degen-Abenteuer der Weltliteratur. Nun auch für die Bühne!
 
Spielplan - Altonaer Theater Hamburg:
http://www.altonaertheater.de/programm/
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